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Wertschätzen statt wegwerfen: Abfallmanagement im MICE-Bereich – mit vier Praxisbeispielen aus Kassel

Aufräumen, auffüllen und wegwerfen: All dies geschieht bei Veranstaltungen eher hinter den Kulissen. Doch was für Teilnehmende meist verborgen bleibt, wird für Veranstaltungsplanende und MICE-Dienstleister immer wichtiger: Umweltschonendes Abfallmanagement ist zum drängenden Thema geworden – nicht nur bei nachhaltigen Veranstaltungen und Green Meetings. 

Deshalb widmen wir uns in diesem Blogbeitrag dem Umgang mit Ressourcen: Zusammen mit Nachhaltigkeitsberaterin Michelle Spangenberg krempeln wir die Ärmel hoch, räumen mit alten Vorurteilen auf und „recyceln“ die wichtigsten Fakten. Anschließend gönnen wir uns einen Blick auf Kassels MICE-Branche, die in Sachen Abfallvermeidung wirklich glänzen kann!

Vom Buffet in die Tonne?
Was wir gegen Foodwaste tun können

Über ein Drittel aller Lebensmittel in Deutschland landen nicht im Magen, sondern in der Mülltonne. Das sind 18 Millionen Tonnen jährlich – wovon 1,4 Millionen Tonnen hier bei uns in Hessen verschwendet werden. Das Social-Impact-Unternehmen Too good to go rechnet vor, dass weggeworfene Lebensmittel 38 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen und über 200 Millionen Liter Wasser kosten. Damit sind Lebensmittelabfälle der drittgrößte Verursacher von Emissionen. Und nicht nur das: Fast 18 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen weltweit werden für die Herstellung von Lebensmitteln verwendet, die nie konsumiert werden. Mit dem „Zuviel“ an Lebensmitteln könnten wir die Welt vier Mal ernähren! Ein Ende ist (noch) nicht in Sicht: Die Boston Consulting Group sagt voraus, dass die Lebensmittelverschwendung sogar noch ansteigen wird.

 

 

Höchste Zeit also zum Handeln. „Kassel hat sich in diesem Jahr der Initiative ‚Städte gegen Foodwaste‘ angeschlossen‘“, berichtet Michelle Spangenberg. „Die Kampagne von Too good to go bringt Städte zusammen, die auf lokaler Ebene etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun. Für Kassel ist dies eine weitere Etappe, um unser gemeinsames Ziel der Klimaneutralität bis 2030 zu erreichen!“

 

Welche Möglichkeiten bietet Too good to go für die MICE-Branche?

Lebensmittel retten per App: Too good to go wurde 2015 in Dänemark gegründet und kam schon im Jahr darauf nach Deutschland. Die Idee besteht darin, die überschüssigen Lebensmittel von Restaurants und Geschäften zum günstigen Preis zu kaufen. Auch in unserer Branche können Hotels, Restaurants und Catering-Dienstleister die App nutzen und jeden Tag individuelle Angebote einstellen. Diese werden dann als köstliche Überraschungsboxen an Kunden weitergegeben, die sich schon auf den abwechslungsreichen Genuss freuen. Ob warme Mahlzeiten oder das restliche Frühstücksbuffet: Mehr als 2.896 Hotels in 17 Ländern nutzen die App, um ihre täglichen Lebensmittelüberschüsse einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Zugleich steigern sie mit ein paar Klicks ihre Bekanntheit und rücken näher an ihre Nachhaltigkeitsziele heran. Wenn das nicht mal eine blitzsaubere Win-Win-Situation ist!


Weniger ist mehr: Wie wir den Müllberg verringern können

Bevor wir uns den Best-Practice-Beispielen aus Kassel zuwenden, ergänzt Michelle Spangenberg das Thema Foodwaste um zusätzliche Nachhaltigkeitstipps für die MICE-Branche.

„Beim Catering kann man mit einer guten Kalkulation Lebensmittelabfälle vermeiden. Aber auch darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten zum Umweltschutz: Etwa das Benutzen von Mehrweggeschirr und -besteck oder solches, das aus abbaubaren Materialien wie Palmenblättern besteht“, erklärt Michelle. „Gute Erfahrungen machen Caterer auch mit einer deutlichen Beschriftung auf wiederverwendbaren Schildern, um Fehlgriffe am Buffet zu vermeiden. In Glaskaraffen kann Leitungswasser angeboten werden. Einzeln abgepackte Ware wie Zucker und Kaffeesahne sollte man vermeiden.“

Und noch ein Tipp von der Nachhaltigkeitsexpertin: „Beim Thema Müll ist auch die richtige Trennung zu beachten – dies sollte am besten schon bei der Planung angesprochen werden.“ 

Auch der Messebau hat „grünes“ Potenzial: Wenn langlebige, recycelbare und ökologische Baumaterialien zum Einsatz kommen, sollte man den Stand auch mehrfach verwenden. Das gleiche gilt für Deko. Wasserbasierte Lacke, geringere PVC-Anteile und recycelbare Transportverpackungen sind weitere Stellschrauben, mit denen Messebauer auf „Grün“ schalten können. In Kassel können Messemöbel natürlich auch gemietet werden.   

„Beim Transport von Mietmöbeln sind recycel- oder wiederverwendbare Verpackungsmaterialien wichtig“, betont Michelle. „Auch auf nachhaltige Reinigungsmittel sollte man achten. Und nicht zuletzt sitzt es sich am besten auf langlebigen und nachhaltigen Möbeln, die vielleicht sogar in der Region produziert wurden.“

Wie nachhaltig ist Kassel?

Dass gutes Abfallmanagement keine Herkulesaufgabe sein muss, beweist Kassels MICE-Branche – mit einer kleinen Anspielung auf unser Wahrzeichen, die Herkules-Statue im Bergpark Wilhelmshöhe. „Für immer mehr Veranstaltungsprofis ist es eine Herzensangelegenheit, achtsam mit den Ressourcen unserer Erde umzugehen“, weiß Michelle Spangenberg. „Ich persönlich bin immer wieder überrascht, welche tollen Ideen und Lösungen in unserer Branche entstehen. Deshalb möchte ich Ihnen jetzt vier engagierte MICE-Unternehmen aus unserem Branchennetzwerk, dem Kassel Convention Network, näher vorstellen.“

Renthof Kassel: Müllvermeidung beginnt beim Einkauf!

Das moderne Stadthotel mit exklusivem Restaurant befindet sich im ältesten Gebäude der Stadt. Bis ins Jahr 1298 kann diese außergewöhnliche Location zurückblicken. 2021 setzte der Renthof einen neuen Meilenstein: Es wurde komplett auf Nachhaltigkeit und Regionalität umgestellt. Unterstützung kam im Vorfeld auch von den Stadtreinigern, die Vorschläge zu Optimierungsmöglichkeiten in Sachen Müll gemacht haben.

„Die Toogoodtogo-App finden wir toll“, schmunzelt Jasmin Ohlendorf, Assistentin der Geschäftsführung, „aber bisher haben wir sie noch nicht nutzen müssen, weil unsere Kolleg*innen in der Küche hervorragend mit den Lebensmitteln kalkulieren.“ Weiter erklärt sie: „Unser hoteleigenes Konzept der ‚Nachhaltigkeitsreise‘ sieht eine Abfallvermeidungsstrategie vor: Dank kleiner Karte, effizienter Planung, geringen Lagermöglichkeiten und der Sensibilisierung unseres Küchenpersonals gelingt es uns, die Speiseabfälle gering zu halten. Unvermeidbare Reste geben wir an einen Fachbetrieb, der sie in Bio-Energie verwandelt. Wir sind überzeugt, dass Müllvermeidung beim Einkauf beginnt!“

Doch was ist mit Essen und Trinken „to go“? Auch dafür fand der Renthof eine nachhaltige Lösung. „Einwegprodukte haben wir weitgehend verbannt. Um trotzdem Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbieten zu können, haben wir ein attraktives Pfandsystem eingeführt. Die ausleihbaren Becher und Schüsseln sind nicht nur praktisch, sondern auch schick. Man kann sie behalten und im Haushalt verwenden oder bei jedem Partner des Pfandsystems zurückgeben“, erklärt Jasmin Ohlendorf.  

Dank der Digitalisierung spart der Renthof jede Menge Papier: „Moderne Zimmer-Tablets haben Gästemappen und gedruckte Broschüren abgelöst: So erhalten unsere Gäste alle wichtigen Informationen“, berichtet Jasmin Ohlendorf weiter. „Auch unser interner Papierverbrauch wird immer geringer. Wenn wir überhaupt Papier verwenden, dann Recyclingpapier. Und da auch die Digitalisierung Ressourcen verbraucht, haben wir uns für einen Webhoster entschieden, der seinen Service mit 100 Prozent erneuerbaren Energien betreibt.“ 

W & M Werbung- und Messebau-Service GmbH: Seit 20 Jahren für Sie da!

Hier hat Nachhaltigkeit einen guten Stand: Während konventionelle Messebauer Stände aus Holz fertigen, diese verkleiden und nach dem Event entsorgen, setzt W & M auf einen Systemstandbau. So entstehen aus dem Material immer wieder neue Stände.

Im Einkauf erhalten Schaum- und Luftpolsterfolien aus recyceltem Material den Vorzug, wenn der Preis es zulässt. Alte Verpackungen von Lieferanten werden so weit wie möglich wiederverwendet: Kartonagen werden für den nächsten Versand aufbewahrt, alte Teppiche, Banner oder Folien können als Füll- und Schutzmaterial genutzt werden.

Abfälle werden natürlich getrennt – nach Folien, Restmüll, gelbem Sack und Bio. Außerdem gibt es Container für Holz und Pappe, die von den Entsorgern verwertet werden. Metallabfälle, die in der Produktion anfallen, sammelt W & M ebenfalls und reicht sie an einen Entsorger weiter.

Darüber hinaus spart das Unternehmen mit LED-Technik Energie. Bei der Planung von Transporten geht das Team so platzsparend wie möglich vor. So nachhaltig arbeiten wie möglich – dies ist das Motto bei W & M.

Büro für Eventmarketing – Kassels nachhaltige MICE-Agentur

Seit 2009 setzt das Büro für Eventmarketing konsequent auf klimaneutrale Eventorganisation. Geschäftsführer Andreas Becker berichtet: „Um unnötiges Drucken zu vermeiden, nutzen wir digitale Lösungen: Bei großen Veranstaltungen kann eine App mit allen Informationen bereitgestellt werden, bei kleineren Events ist ein passwortgeschützter Bereich auf der Website möglich.“

Weniger Abfall – um diesem Anspruch gerecht zu werden, treffen Andreas Becker und sein Team im Vorfeld gezielte Absprachen mit den Zulieferern. Zum Beispiel geht es um die Vermeidung von Stretchfolien und Plastikverpackungen. Außerdem sind Mehrwegprodukte gefragt.  

Auch beim Catering ist Mehrweg für Andreas Becker die erste Wahl. Grundsätzlich wird auf alles zurückgegriffen, was gewaschen und gereinigt werden kann. Am Buffet ermöglichen vorportionierte Teller und Gläschen einen rest(e)losen Genuss. 

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist eine klare Nachhaltigkeitskommunikation: „Wir machen von Anfang an bekannt, dass wir nicht zu viel Essen vorbereiten, um Foodwaste zu vermeiden. Alle wissen, dass am Buffet auch mal etwas ausgehen kann“, sagt der Eventprofi. „Wenn am Ende der Veranstaltungen Leckereien übrigbleiben, packen sich die Gäste gerne etwas für zu Hause ein.“

H4-Hotel:  Die EULE unter den Hotels  

Die H-Hotels GmbH, zu der auch das H4 Hotel Kassel gehört, zählen zu den größten Hotelunternehmen in Deutschland und sind sich ihrer Verantwortung im Bereich Nachhaltigkeit bewusst. Der Begriff „EULE“ steht dabei für „Erde, Umwelt, Leben und Erhalt“. Umsichtig wie eine Eule geht das Unternehmen beispielsweise beim Abfallmanagement vor: 81 Prozent der Hotels nutzen bevorzugt Mehrwegverpackungen und sogar 100 Prozent erhalten dank sorgfältiger Mülltrennung die Wertstoffe und reduzieren Restmüll.

Auf abgepackte Seife im Sanitärbereich und Portionspackungen in der Gastronomie verzichten 76 Prozent der Häuser, die der H-Hotels GmbH angehören. Stattdessen forcieren 87 Prozent die Belieferung in Großverpackungen.

Und auch Foodwaste hat die EULE gut im Blick: 88 Prozent der Hotels stimmen die Buffetmenge morgens, mittags und abends mit der jeweiligen Anzahl der Gäste ab – so können Überproduktionen bei den Speisen verringert werden.

Darf es etwas mehr Nachhaltigkeit sein?

Wenn auch Sie Foodwaste und Abfälle reduzieren möchten, dann lassen Sie sich doch einfach unseren Beratungsservice schmecken: Michelle Spangenberg serviert ausgewählte MICE-Partner und frische Event-Lösungen, die Sie restlos begeistern werden.


Sprechen Sie mich an

Ich freue mich auf Ihre Anfragen und stehe Ihnen für Fragen zu den Produkten gerne als persönliche Ansprech- und Sparringspartnerin zur Verfügung!

Michelle Spangenberg
Kassel Convention Bureau

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